Anglikanische Kirche und Ökumene
In diesem Bereich des Themenportals "Ökumenische Theologie" finden Sie ausgewählte Informationen zur Anglikanischen Kirche und ihren ökumenischen Beziehungen.
Eine erste Hinführung zur Anglikanischen Kirche:
"In Parallelität zur Reformation auf dem europäischen Kontinent kam es auch in England im 16. Jh. zu einer Reformation, in deren Auswirkungen die Insel zum Mutterland des angelsächsischen Protestantismus wurde. Das auslösende Moment war aber, anders als auf dem Kontinent, keine Lehrfrage, sondern ein kirchenrechtliches Problem. König Heinrich VIII. verlangte vom Papst die Auflösung der Ehe mit seiner Schwägerin Katharina von Aragon. Als dieser die annulierung verweigerte, erklärte sich der König mit der Suprematsakte (1534) zum rechtlichen Oberhaupt (seit 1559 Supreme Govenor genannt) der anglikanischen Kirche (lat. anglikanus = englisch), deren offizieller Name Kirche von England ist. Von Parlament und Klerus verlangte er einen Treueeid, den aber viele Geistliche und Laien verweigerten. Der Grund lag jetzt in theologischen Fragen. An sich war Heinrich selbst eher katholisch gesinnt, doch der damalige Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer, suchte mit Hilfe von Theologen des Festlandes Lehre und Verfassung der Kirche zu reformieren. Er wollte die römisch-katholischen wie die reformatorischen Extrempositionen vermeiden. Das Ergebnis war das noch heute gültige, allerdings mehrfach überarbeitete Book of Common Prayer (Allgemeines Gebetbuch). [...]
Der heutige Anglikanismus besteht aus rechtlich selbstständigen bischöflich verfassten Kirchen, die in Kommuniongemeinschaft mit dem Erzbischof von Canterbury stehen. Anglikanisches Christentum ist von drei größeren theologischen Strömungen geprägt: Die Anglo-Katholiken hängen einem "katholischen" Kirchen-, Sakraments- und Amtsverständnis an, das die sichtbare geschichtliche Kontinuität [...] zum apostolischen Ursprung hervorhebt. Die Evangelikalen, die u.a. vom Methodismus beeinflusst sind, verbinden reformatorische Grundpositionen (Heilsgenügsamkeit der Heiligen Schrift; allgemeines Priestertum der Gläubigen) mit einem pietistischen Interesse an persönlicher Bekehrung und Heiligung des Lebens. Die Radikalen (auch Modernisten genannt) versuchen mit Hilfe eines kritischen Vernunftgebrauchs biblische Offenbarung und Moderne miteinander zu versöhnen. Die Praxis der Frauenordination und bestimmte moraltheologische Fragen führen allerdings zur Bildung neuer Bündnisse zwischen den theologischen Lagern und Richtungen.
Anglikanische Theologinnen und Theologen gehörten jahrzehntelang zu den maßgeblichen Kräften in der ökumenischen Bewegung. Anglikanische Kirchen beteiligten sich mehrfach an Kirchenunionen (z.B. in der Kirche von Südindien, 1947) bzw. an Kirchengemeinschaften (z.B. in der Porvooer Kirchengemeinschaft von britisch-anglikanischen und skandinavisch-baltischen lutherischen Kirchen, 1992/93)."
Der Text ist (mit leichten Kürzungen) entnommen aus: Peter Lüning, Art. "Anglikaner", in: Taschenlexikon Ökumene, im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) hg. v. Harald Uhl u.a., Frankfurt a.M. / Paderborn 2003, 25f.


