Aktuelles aus Theologie und Kirchen

Hier finden Sie Hinweise auf ausgewählte Neuigkeiten, bedeutende Ereignisse oder Jahrestage aus Theologie und Religionswissenschaft, Kirchen und Ökumene sowie aus benachbarten Bereichen. Die Nachrichten erscheinen in lockerer Folge.

Hundert Jahre Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910

Die erste Weltmissionskonferenz fand vom 2. bis zum 6. Juni 1910 in Edinburgh statt. Hier trafen sich vor allem protestantische Theologen und Missionare aus dem angloamerikanischen Bereich, gerade auch aus den Missionsgebieten. Die katholische und orthodoxe Kirche war noch nicht vertreten. Trotzdem gilt dieses Ereignis wegen seiner Teilnehmerschaft aus der ganzen Welt als Beginn der ökumenischen Bewegung. Problematisch aus heutiger Sicht war das noch stark mit den Interessen der europäischen Kolonialmächte verknüpfte Missionsverständnis. Andererseits diente der internationale Austausch der Völkerverständigung.

Der Ökumenische Rat der Kirchen feiert das Jubiläum mit eigenen Veranstaltungen. Zudem gibt es zahlreiche Publikationen, die auf die Weltmissionskonferenz 1910 zurückblicken und diese würdigen.

Aufsätze über die Weltmissionskonferenz in Edinburgh 1910 (IxTheo)

Weitere Missionskonferenzen fanden in loser Reihenfolge statt:

Konferenzen des Internationalen Missionsrates:
1928: Jerusalem (Israel)
1938: Madras (Indien)
1947: Whitby (Kanada)
1952: Willingen (Deutschland)

Konferenzen der Abteilung für Weltmission und Evangelisierung des ÖRK:
1963: Mexiko-Stadt (Mexiko)
1972: Bangkok (Thailand)
1980: Melbourne (Australien)
1989: San Antonio (USA)
1996: Salvador da Bahía (Brasilien)

Konferenzen der Kommission für Weltmission und Evangelisation:
2005: Athen (Griechenland)

 

Vom Schüler der Burse zum "Lehrer Deutschlands" - Philipp Melanchthon in Tübingen

Bild Philipp Melanchthon
Philipp Melanchthon (Lucas Cranach d.J., 1559)

Ausstellung

24. April - 18. Juli 2010

Ort: Tübingen, Stadtmuseum
Veranstalter: Stadtmuseum Tübingen; Museum der Universität Tübingen; Evangelisch-Theologische Fakultät und Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften, Universität Tübingen

Nähere Informationen zur Ausstellung:

Universität Tübingen - Aktuell: Ausstellung zu Philipp Melanchthon in Tübingen
Stadtmuseum Tübingen: Vom Schüler zum "Lehrer Deutschlands"

Vorlesungsreihe im Studium Generale der Universität Tübingen:

Vom Schüler der Burse zum "Lehrer Deutschlands". Philipp Melanchthon - seine Bedeutung für Kirche und Theologie, Bildung und Wissenschaft

"liturgia semper reformanda"

70. Geburtstag von Klemens Richter

Der emeritierte Münsteraner Liturgiewissenschaftler, Professor Dr. Klemens Richter, kann heute seinen 70. Geburtstag feiern.

Richter wurde 1940 in Leipzig geboren und studierte ab 1959 Theologie, Germanistik, Geschichte und Publizistik in Münster und Wien. Nach mehreren beruflichen Zwischenstationen wurde er 1982 Professor für Liturgiewissenschaft und leitete ab 1984 als Direktor das Seminar für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Im Juli 2005 wurde er emeritiert.

Klemens Richter gilt als einer der profiliertesten Liturgiewissenschaftler der letzten Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum. Wie viele Theologen seiner Generation erhielt er seine entscheidende theologische Prägung durch das Zweite Vatikanische Konzil sowie die von ihm ermöglichte Öffnung und Neupositionierung der katholischen Kirche in der modernen Welt von heute. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit gilt deshalb der konsequenten Umsetzung der konziliaren Liturgiereform und somit der stetigen Erneuerung der Liturgie als Antrieb für eine Reform der Kirche insgesamt. In diesem Zusammenhang hat er sich immer wieder auch mit pointierten Beiträgen zu Wort gemeldet, wenn entscheidende Impulse des Zweiten Vatikanums sowie insbesondere der Liturgiekonstitution nicht genügend Beachtung gefunden haben.

Tagung zu Ehren von Prof. Dr. Klemens Richter

"Eheschließung - mehr als nur ein rechtlich Ding?" Eine Tagung zum 70. Geburtstag von Klemens Richter
3. - 4. Juni 2010
Ort: Münster, Akademie Franz-Hitze-Haus
Veranstalter: Akademie Franz-Hitze-Haus, Münster, in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Universität Erfurt

Nähere Informationen ...

Weitere Informationen:

"Verfechter einer lebendigen Liturgie", Meldung in "Münsterländische Volkszeitung", 2.5.2010

Homepage von Prof. Dr. Klemens Richter (Biografie und Bibliografie)

Aufsätze von Klemens Richter: Nachweise im Index theologicus

Meilenstein im ökumenischen Dialog

Die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" wurde am 31. Oktober 1999 in Augsburg unterzeichnet

Vor zehn Jahren haben der Lutherische Weltbund (LWB) und die katholische Kirche mit der Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" in Verbindung mit der "Gemeinsamen offiziellen Feststellung" und eines "Annex" einen wichtigen Schritt im ökumenischen Dialog der beiden Kirchen vollzogen. Er beschließt eine Phase des lutherisch/römisch-katholischen Dialogs auf Weltebene, der 1967 begonnen wurde.
Mit der GER stellen die beiden Kirchen fest, dass zwischen ihnen "ein Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre" besteht und somit in dem Hauptkonflikt des 16. Jahrhunderts die gegenseitigen Verwerfungen des Konzils von Trient bzw. der reformatorischen Bekenntnisschriften die heutige Lehre der Kirchen nicht mehr treffen.
Beide Kirchen können heute gemeinsam bekennen, was zur Zeit der Reformation heftig umstritten war: "Allein aus der Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken." (GER)
Ist die Unterzeichnung der GER auch nicht hoch genug zu würdigen, muss dennoch kritisch festgestellt werden, dass bislang in den sich anschließenden Problemfeldern keine sichtbaren Fortschritte erzielt werden konnten. Dies betrifft insbesondere die Frage der kirchlichen Ämter sowie der Abendmahlsgemeinschaft zwischen den beiden Kirchen.

Weitere Informationen:

Text der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre", der "Gemeinsamen offiziellen Feststellung" und des "Annex"; außerdem: kurze Hintergrundinformation und Stellungnahme des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik, Paderborn
Dossier zu "10 Jahren Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" des "Münteraner Forum für Theologie und Kirche"
Unter dem Horizont der Gnade. Ökumenische Arbeitshilfe zum 10. Jahrestag der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre", hg. von Amt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik im Auftrag des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kommission für ökumenische Beziehungen Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland, Hannover / Paderborn / Frankfurt am Main 2009.

Literatur:

Aufsatznachweise im Index theologicus

125. Geburtstag von Rudolf Bultmann

Bild Rudolf Bultmann
Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen: Nachlass Bultmann Mn 2-3088A/57

Nachlass des Neutestamentlers in der UB Tübingen

20. August 2009

Heute, am 20. August 2009, jährt sich zum 125. Mal der Geburtstag des evangelischen Neutestamentlers Rudolf Bultmann.
Rudolf Bultmann wurde 1884 in Wiefelstede (Oldenburg) als Pfarrersohn geboren. Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums studierte er von 1903 bis 1907 in Tübingen, Berlin und Marburg Theologie und Philosophie. Seine wichtigsten theologischen Lehrer waren in dieser Zeit die Neutestamentler Adolf Jülicher und Johannes Weiss, der Kirchengeschichtler Adolf von Harnack sowie Wilhelm Herrmann in der Systematischen Theologie.
Nach Zwischenstationen lehrte Bultmann von 1921 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1951 als Professor für Neues Testament an der Philipps-Universität in Marburg, wo er am 30. Juli 1976 starb. Wilfried Härle hat ihn als einen "der umstrittensten und zugleich wirkungsvollsten Theologen" des 20. Jahrhunderts charakterisiert.
Als Bultmanns Hauptwerke gelten "Die Geschichte der synoptischen Tradition" (1921), der Kommentar "Das Evangelium des Johannes (1941) und die "Theologie des Neuen Testaments" (1958). Wirkungsgeschichtlich äußerst bedeutsam war sein Vortrag "Neues Testament und Mythologie" von 1941, der heftige Diskussionen um das Programm einer "Entmythologisierung" in Theologie und Kirche auslöste. "Zentral ist für ihn die Rekonstruktion des Glaubens- und Selbstverständnis der Menschen hinter der neutestamentlichen Theologie. Die historisch-kritischen Vergleiche von Formen und Gattungen neutestamentlicher Überlieferung sowie die religionsgeschichtliche Rekonstruktion der jeweils prägenden Diskurse und Auseinandersetzungen führten ihn zur existentialen Interpretation, die nach dem Kerygma, als die auf das Glaubens- und Selbstverständnis antwortende Botschaft urchristlicher Verkündigung fragt. Insofern neutestamentliche Theologie auf dem Hintergrund antiken und mythologischem Weltverständnis formuliert ist, entwickelte die Bultmannschule das Programm der Entmythologisierung." (Homepage des Fachbereichs Evangelische Theologie der Universität Marburg)

Nachlass in der UB Tübingen

Der Nachlass von Rudolf Bultmann wurde von den Erben als Geschenk der Universitätsbibliothek Tübingen übergeben und umfasst mehr als 3500 Faszikel: Werkmanuskripte, Briefe, Lebensdokumente, Sammelstücke. Ein gedruckter Katalog liegt vor:
Waßmann, Harry / Osthof, Jakob Matthias / Bruckhaus, Anna-Elisabeth (Bearb.), Rudolf Bultmann (1884-1976). Nachlaßverzeichnis (Nachlassverzeichnisse der Universitätsbibliothek Tübingen 2), Wiesbaden 2001.

Eine Online-Recherche ist über den Nachlasskatalog der UB Tübingen möglich:

Recherchemaske des Tübinger Nachlasskatalogs

Ausstellung in der UB Tübingen

Aus Anlass des 125. Geburtstages des bedeutenden Neutestamentlers zeigt die Universitätsbibliothek Tübingen in der Wandelhalle des Bonatzbaus bis zum 30. Oktober 2009 eine Ausstellung zu Rudolf Bultmann. Sie ist von Montag bis Freitag von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Weiterführende Informationen und Veranstaltungen

Symposion in Marburg zur Semestereröffnung WS 2009/2010 anlässlich des 125. Geburtstages von Rudolf Bultmann, 12. Oktober 2009

Freiheit durch Interpretation. Die Aufgabe der Bibelexegese nach Rudolf Bultmann, Vorlesung von Prof. Dr. Christof Landmesser anlässlich des 125. Geburtstages, 16. Dezember 2009, 20 Uhr, Tübingen, Hörsaal Theologicum (nähere Informationen zu gegebener Zeit auf der Homepage der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Universität Tübingen)

Umstellt von seichten Schwätzern. Der Theologe Rudolf Bultmann in seiner Korrespondenz mit Martin Heidegger - und in einer neuen Biografie, von Friedrich Wilhelm Graf (in: Neue Zürcher Zeitung 19.9.2009)

Unverfügbarkeit. Zum 125. Geburtstag von Rudolf Bultmann, von Wilfried Härle (in: Zeitzeichen 05/2009)

Rudolf Bultmann, Artikel im "Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon" (Bautz)

Rudolf-Bultmann-Gesellschaft für Hermeneutische Theologie e.V. (u.a. Informationen zu den Jahrestagungen und umfangreiche Bibliographie)