125. Geburtstag von Rudolf Bultmann

Bild Rudolf Bultmann
Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen: Nachlass Bultmann Mn 2-3088A/57

Nachlass des Neutestamentlers in der UB Tübingen

20. August 2009

Heute, am 20. August 2009, jährt sich zum 125. Mal der Geburtstag des evangelischen Neutestamentlers Rudolf Bultmann.
Rudolf Bultmann wurde 1884 in Wiefelstede (Oldenburg) als Pfarrersohn geboren. Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums studierte er von 1903 bis 1907 in Tübingen, Berlin und Marburg Theologie und Philosophie. Seine wichtigsten theologischen Lehrer waren in dieser Zeit die Neutestamentler Adolf Jülicher und Johannes Weiss, der Kirchengeschichtler Adolf von Harnack sowie Wilhelm Herrmann in der Systematischen Theologie.
Nach Zwischenstationen lehrte Bultmann von 1921 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1951 als Professor für Neues Testament an der Philipps-Universität in Marburg, wo er am 30. Juli 1976 starb. Wilfried Härle hat ihn als einen "der umstrittensten und zugleich wirkungsvollsten Theologen" des 20. Jahrhunderts charakterisiert.
Als Bultmanns Hauptwerke gelten "Die Geschichte der synoptischen Tradition" (1921), der Kommentar "Das Evangelium des Johannes (1941) und die "Theologie des Neuen Testaments" (1958). Wirkungsgeschichtlich äußerst bedeutsam war sein Vortrag "Neues Testament und Mythologie" von 1941, der heftige Diskussionen um das Programm einer "Entmythologisierung" in Theologie und Kirche auslöste. "Zentral ist für ihn die Rekonstruktion des Glaubens- und Selbstverständnis der Menschen hinter der neutestamentlichen Theologie. Die historisch-kritischen Vergleiche von Formen und Gattungen neutestamentlicher Überlieferung sowie die religionsgeschichtliche Rekonstruktion der jeweils prägenden Diskurse und Auseinandersetzungen führten ihn zur existentialen Interpretation, die nach dem Kerygma, als die auf das Glaubens- und Selbstverständnis antwortende Botschaft urchristlicher Verkündigung fragt. Insofern neutestamentliche Theologie auf dem Hintergrund antiken und mythologischem Weltverständnis formuliert ist, entwickelte die Bultmannschule das Programm der Entmythologisierung." (Homepage des Fachbereichs Evangelische Theologie der Universität Marburg)

Nachlass in der UB Tübingen

Der Nachlass von Rudolf Bultmann wurde von den Erben als Geschenk der Universitätsbibliothek Tübingen übergeben und umfasst mehr als 3500 Faszikel: Werkmanuskripte, Briefe, Lebensdokumente, Sammelstücke. Ein gedruckter Katalog liegt vor:
Waßmann, Harry / Osthof, Jakob Matthias / Bruckhaus, Anna-Elisabeth (Bearb.), Rudolf Bultmann (1884-1976). Nachlaßverzeichnis (Nachlassverzeichnisse der Universitätsbibliothek Tübingen 2), Wiesbaden 2001.

Eine Online-Recherche ist über den Nachlasskatalog der UB Tübingen möglich:

Recherchemaske des Tübinger Nachlasskatalogs

Ausstellung in der UB Tübingen

Aus Anlass des 125. Geburtstages des bedeutenden Neutestamentlers zeigt die Universitätsbibliothek Tübingen in der Wandelhalle des Bonatzbaus bis zum 30. Oktober 2009 eine Ausstellung zu Rudolf Bultmann. Sie ist von Montag bis Freitag von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Weiterführende Informationen und Veranstaltungen

Symposion in Marburg zur Semestereröffnung WS 2009/2010 anlässlich des 125. Geburtstages von Rudolf Bultmann, 12. Oktober 2009

Freiheit durch Interpretation. Die Aufgabe der Bibelexegese nach Rudolf Bultmann, Vorlesung von Prof. Dr. Christof Landmesser anlässlich des 125. Geburtstages, 16. Dezember 2009, 20 Uhr, Tübingen, Hörsaal Theologicum (nähere Informationen zu gegebener Zeit auf der Homepage der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Universität Tübingen)

Umstellt von seichten Schwätzern. Der Theologe Rudolf Bultmann in seiner Korrespondenz mit Martin Heidegger - und in einer neuen Biografie, von Friedrich Wilhelm Graf (in: Neue Zürcher Zeitung 19.9.2009)

Unverfügbarkeit. Zum 125. Geburtstag von Rudolf Bultmann, von Wilfried Härle (in: Zeitzeichen 05/2009)

Rudolf Bultmann, Artikel im "Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon" (Bautz)

Rudolf-Bultmann-Gesellschaft für Hermeneutische Theologie e.V. (u.a. Informationen zu den Jahrestagungen und umfangreiche Bibliographie)